Wahlvorbereitungen – Die Erststimme (und Frau Weide von der SPD)

Veröffentlicht am

Am 22. September ist Bundestagswahl. Du solltest das schon mal in deinem Kalender vermerken. Falls du schon weißt, dass du am Wahlsonntag nicht zu Hause sein wirst, solltest du jetzt schon mal einen Antrag auf Briefwahl stellen – das geht sogar jetzt nicht mehr per Email.

Es stehen Wahlen vor der Tür und für etwa 61,8 Millionen Wahlberechtigte gilt es bald, ein zwei Kreuze zu machen. Erfahrungsgemäß ist es bei wichtigen Entscheidungen hilfreich, nicht erst auf den letzten Drücker zu einem Entschluss zu kommen. Daher wird es hier in den nächsten Tagen ein paar Beiträge zu diesem Thema geben. Für alle, die zum ersten Mal wählen dürfen oder einfach eine kleine Auffrischung in Sachen Wahlrecht benötigen, hat die Bundeszentrale für politische Bildung ein passendes Video zum Thema Erst- und Zweitstimme vorbereitet. In diesem ersten Beitrag zur Unterstützung der Entscheidungsfindung, geht es um die Erststimme.

Weil die direkt zur Wahl stehenden Kandidierenden hin und wieder andere Meinungen als die offizielle Parteilinie vertreten (und es auch noch parteilose Kandidierende gibt), lohnt es sich, deren Überzeugungen mit den eigenen Einstellungen abzugleichen. Dazu gibt es im Wesentlichen zwei Wege, die in relativ wenig Zeit benötigen und gut skalieren.

Einerseits kann man eine Veranstaltung besuchen, auf der alle oder ein Großteil der zur Wahl Stehenden sich und ihre Position vorstellen. Dazu muss es natürlich erst einmal solch eine Veranstaltung geben und der Termin muss passen. Außerdem ist es wohl sehr hilfreich, wenn der eigene Wahlkreis nicht gerade knapp 3000 km² groß ist und man den Ort des Geschehens also auch erreichen kann. Felix Schwenzel hat sich eine solches direktkandidaten casting für Berlin Mitte angesehen und seine Gedanken dazu niedergeschrieben.

Andererseits bietet das Internet wie immer eine Lösung an: den Kandidatencheck von abgeordnetenwatch.de. Dort bekommt man 24 Thesen zu verschiedenen Themen serviert und kann seine Meinung durch Zustimmung, Ablehnung oder eine neutrale Haltung ausdrücken. Da alle Kandidierenden vorher aufgefordert wurden, das Gleiche zu tun und – optional – ihre Haltung zu begründen, schafft man es so in weniger als 5 Minuten zur persönlichen Wahlempfehlung für die Erststimme. Jedenfalls, wenn die Datenbank gut gefüllt ist. Dass mir persönlich dieses eigentlich großartige Werkzeug nur begrenzt hilft, liegt an Frau Kerstin Weide, der blöden Ziege Direktkandidatin der SPD.

Frau Weide und ihre WahlhelferInnen haben es nämlich nicht geschafft, zu diesen 24 Thesen Stellung zu nehmen. Außerdem haben sie es bis Dienstagnachmittag auch nicht geschafft, auf meine Unmutsbekundung zu antworten. [Nachtrag, 21.09.2013] Ich habe zwar keine Antwort erhalten, Frau Weides Antworten sind aber inzwischen im Kanditatencheck verfügbar [Nachtrag Ende]

Guten Tag Frau Weide,

enttäuscht musste ich feststellen, dass sie sich nicht zu den 24 Thesen des Kandidatenchecks geäußert haben, den abgeordnetenwatch.de anbietet. Der Kandidatencheck ist meiner Meinung nach ein hervorragendes Werkzeug, um mir und anderen Wahlberechtigten die Wahl-Entscheidung zu erleichtern.

Ihre fehlenden Antworten sind insbesondere deshalb bedauerlich, weil ihre zwei stärksten Mitbewerber im Kandidatencheck vertreten sind. Ich würde mich freuen, wenn sie sich die Zeit nehmen und ihre Antworten nachreichen, sofern dies technisch möglich ist.

Mit besten Grüßen,
Martin Raißle

Zum einen ist das natürlich alles nur halb so wild, weil die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag nicht wesentlich durch den Abgeordneten aus Wahlkreis 65 beeinflusst werden. Zum anderen hält sich mein Interesse daran, dass Überhang- und Ausgleichsmandate den Bundestag vergrößern weil Herr Stübgen von der CDU unseren Wahlkreis gewinnt, allerdings in engen Grenzen. Generell hält sich mein Interesse daran, dass jemand gewinnt, mit dem ich in lediglich 4 von 24 Thesen einer Meinung bin, in engen Grenzen. Dass Frau Weide nach aktuellem Stand der Dinge meine Stimme erhält, ist aber sehr unwahrscheinlich. Denn es nervt mich schon ein bisschen sehr, dass so ein elegantes Instrument einfach so kaputt gemacht wird.

Insgesamt empfinde ich diese Situation als sehr unbefriedigend – womit dann auch das große Thema dieser Bundestagswahl angerissen wäre. Das sollte aber niemanden abhalten, den Kandidatencheck selbst zu nutzen, denn mit ein bisschen Glück ist der eigene Wahlkreis besser vertreten.


2 thoughts on “Wahlvorbereitungen – Die Erststimme (und Frau Weide von der SPD)

  1. Pingback: Wahlvorbereitungen – Die Zweistimme | marrai

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.