Dinge, die ich nicht verstehe: WhatsApp

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WhatsApp ist meinem Empfinden nach im Wesentlichen ein Instant Messenger mit starkem Fokus auf Smartphones und damit als Konkurrent zu SMS und MMS zu sehen. Viele der mir bekannten Smartphone-BesitzerInnen nutzen es und sind begeistert – genau wie jede Menge anderer Menschen:

Vor wenigen Tagen aber gab der Nachrichtenservice in einem ungewöhnlichen Akt von Offenheit per Twitter bekannt, nun zehn Milliarden Mitteilungen täglich zu handhaben – wobei diese Zahl eingehende und ausgehende Nachrichten summiert.

Und ich verstehe einfach nicht, warum.

Ja, es bietet gegenüber SMS / MMS den großen Vorteil, dass es (praktisch) kostenlos ist. Aber es ist ja nicht so, dass der Dienst die einzige Alternative zur SMS ist. Es gibt einige plattformübergreifende Messenger, allen voran Facebook und Google Talk, die zwei wesentliche Vorteile bieten. Was mich an WhatsApp nämlich stört, ist:

  1. Die fehlende Möglichkeit, automatisch Backups der Konversationen zu erstellen. Ist das Smartphone weg, sind es auch die Konversationen – jedenfalls, wenn ich das richtig verstanden habe. Evtl liegen sie auch noch auf den WhatsApp-Servern, aber an die komme ich ja nicht heran. Und nein, die Möglichkeit, einzelne Konversationen händisch per Email zu verschicken, ist kein Ersatz.
  2. Die fehlende Möglichkeit, Gespräche auf anderen Geräte fortzusetzen. Wenn ich unterwegs eine Konversation beginne, kann ich sie nicht einfach auf dem Laptop fortsetzen. Oder auf dem Tablet.

Auch wenn ich etwas aus einer Unterhaltung nachgucken möchte, muss ich das auf dem Smartphone tun. Sowohl Facebook Messenger als auch Google Talk bieten da bessere Möglichkeiten. Der einzige Vorteil, den WhatsApp hier bietet, ist der „übertragen“ / „gelesen“ Status für Mitteilungen. Man sollte allerdings beachten, dass, nur weil meinE GesprächspartnerIn die Nachricht anzeigt hat, er/sie noch lange nicht wie gewünscht darauf reagiert oder sie überhaupt nur tatsächlich gelesen hat. Besonders absurd ist die Sache, weil ich bei vielen NutzerInnen noch als möglicher Gesprächspartner angezeigt werde, obwohl ich meinen Account habe löschen lassen – per Email (!), denn es gibt ja auf der Webseite keine Möglichkeit. Zwar steht an der entsprechenden Nachricht dann, dass sie nicht übertragen wurde – aber das wird sie auch nie werden.

Dazu kommen bei WhatsApp noch eklatante Sicherheitsprobleme. Nicht nur wurden die Nachrichten bis letztens unverschlüsselt ausgetauscht, die Methode zur Authentifizierung der Geräte am Server ist ein schlechter Witz, wie heise Security berichtet:

Der beliebte SMS-Ersatz WhatsApp lässt sich mit Hilfe frei zugänglicher Tools leicht kapern, wie ein Test von heise Security ergab. [..] Ist der Account einmal geknackt, kann man ihn nicht mehr absichern. Der Schnüffler kann ihn fortan beliebig nutzen.

Der Praktikant, der den Code geschrieben hat, war offensichtlich betrunken:

Forscher fanden heraus, dass der Client zur Anmeldung am Server ein selbstgeneriertes Passwort nutzt, das bei Android aus der Seriennummer (IMEI) des Smartphones und bei iOS aus der MAC-Adresse der WLAN-Schnittstelle erzeugt wird. Das Problem hierbei ist, dass diese Daten alles andere als geheim sind [..]

Die MAC-Adresse sieht bei der WLAN-Nutzung jedermann in Reichweite des Funknetzwerks. Ist das WLAN öffentlich, wie etwa der Hotspot im Lieblingscafe, kann der Schnüffler anhand der von WhatsApp übertragenen Datenpakete auch noch die Rufnummer des Nutzers herausfinden und dessen Account kinderleicht übernehmen – ohne sein Opfer überhaupt kennen zu müssen.

Wie gesagt, ich verstehe WhatsApp einfach nicht.


4 thoughts on “Dinge, die ich nicht verstehe: WhatsApp

  1. Lieber Martin,

    hierzu möchte ich als Whats App Nutzer anmerken, dass dieses Programm mithilfe der Telefonnummer funktioniert und eine extra Anmeldung bei Google bspw. nicht notwendig ist – das Selbe gilt natürlich für FB.
    Nun wirst du – wie ich dich kenne – sagen, dass jeder einen FB Account hat (das stimmt nur bedingt) und das es ja nicht so schwer sein kann, dem tollen Google die Daten zu geben, um einen Account zu erstellen. Auch wenn ich dir in beiden Punkten nur schwer widersprechen kann, gibt es doch Leute, die das anders sehen.

    Da ich Whats App auch nur aus Gruppenzwang nutze und eigentlich deiner Meinung bin, soll dies nur eine Ergänzung und nicht der Anfang einer nimmer enden wollenden Diskussion sein ;)

  2. Du hast völlig Recht, das Argument wollte ich auch entkräften. Das kommt davon, wenn man sich nicht genug Zeit zum Schreiben nimmt.

    Abgesehen davon: Mach den Anfang und widersetze dich dem Gruppenzwang :)

  3. Je mehr Leute diese Plattform benutzen, desto eher ist man gewillt, oder auch fast gezwungen, diese auch zu nutzen – weil der Grund für diese Plattform ja die Kommunikation mit anderen Leuten ist und man alleine kaum jeden dazu bringen kann, eine andere Plattform zu verwenden.

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