Positive Freiheit, negative Freiheit und die Freiheit von Flöhen

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Laut Wikipedia gibt es zwei Interpretationen der Freiheit: Eine positive – also die Freiheit zu etwas – die es mir ermöglicht, mich selbst zu verwirklichen, und eine negative – d.h. die Freiheit von etwas – die durch die Abwesenheit von Zwängen charakterisiert ist. Sascha Lobo weißt in seiner aktuellen Kolumne darauf hin, wie gerade die negative Interpretation von Freiheit missbraucht werden kann:

Die Antwort von Steve Jobs: Bei Apples Revolution des Post-PC-Zeitalters gehe es natürlich um Freiheit. Und zwar die Freiheit von Schadprogrammen und von Pornografie.

Diese Verwendung des Begriffs Freiheit (der Hund ist frei von Flöhen) hat ein recht bekanntes literarisches Vorbild. In George Orwells Roman 1984 werden in Form des Konzepts Neusprech die Regeln der Sprache auf genau diese Weise neu festgelegt. Da scheint eine Haltung in Jobs‘ Antwort durch, über die man sich Sorgen machen könnte.

Das Wesentliche der negativen Interpretation der Freiheit ist, dass man Frei von Zwängen und nicht frei von irgendetwas ist – jedenfalls, solange wir von einem „Zustand der Autonomie eines Subjekts“ reden. Darüber ist Marcel Weiss dann auch gleich verwundert und schreibt:

Es ist wirklich erstaunlich, dass nicht nur in Linux consolidierende Geeks sondern auch intellektuelle Apple-Nutzer wie Sascha Lobo nicht sehen können, dass der Schutz vor Schadprogrammen natürlich eine Art Freiheit ist.

Natürlich sieht Lobo diese Freiheit – er sieht aber eben auch, dass sie nichts mit dem klassischen Verständnis von Freiheit zu tun hat sondern eine Neusprech-Umdefinition ist. Weiss‘ Artikel wird in den Kommentaren bereits kritisiert – einerseits wegen der fehlenden Erklärung zur Freiheit von Pornografie, aber auch weil er eben auf Jobs‘ Verständnis der Freiheit hereingefallen ist. Natürlich hat auch die Abwesenheit von Schadprogrammen ihrer Reiz – aber es ist eben keine Freiheit, wenn sie durch den Zwang, den App-Store zu nutzen, erreicht wird. Wollte Apple Freiheit schaffen, würden sie eine einfache Möglichkeit bieten, auch Anwendungen zu installieren, die nicht erst durch die eigene Qualitätskontrolle müssen. Ein Nebeneinander beider Wege könnte durch einen separaten App-Store oder eine Warnung problemlos realisiert werden.

Bei der Wahl der Anwendungen unter Android bin ich tatsächlich frei – es gibt nicht nur (praktisch) keine Qualitätskontrollen für den Play Store, man kann die Apps auch aus gänzlich anderen Quellen installieren. Ich finde allerdings auch Googles Lösung nicht perfekt – denn hier gibt es gar keine Qualitätskontrollen. Auch für Google wäre es kein Problem, Programme hinsichtlich bestimmter Anforderungen – nicht nur an die Sicherheit, sondern auch an das Befolgen von Gestaltungsrichtlinien o.ä. – zu kontrollieren und mit einer Markierung zu versehen, die diese Kontrolle entsprechend kennzeichnet.


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