Martin und die alten Medien – heute: Papier

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Vorbemerkung: Dieser Entwurf ist jetzt auch schon wieder einen Monat alt und ich habe mich erfolgreich darum gedrückt, ihn fertig zu schreiben. Damit ich diese Serie endlich abschließen (und eine neue anfangen) kann, bleiben die Verweise wie sie sind und ich habe nur noch kleine Ergänzungen gemacht.

Nach langer Pause gibt es nun doch noch den letzten Eintrag aus der Reihe „Martin und die alten Medien„. Zuletzt habe ich mich ja schon über Papierbücher ausgelassen, heute ist der ganze Rest gedruckter und beschriebener Erzeugnisse dran. Naja, jedenfalls fast :) Anlass waren das Erscheinen von doo, die damit verbundene Berichterstattung (deutsche-startups.denetzwertig.com) und ein Artikel über den Mythos des papierlosen Büros. Um den Abschied vom Papier wenigstens etwas zu beschleunigen, werde ich hier wieder meine persönliche Abwägung von Vor- und Nachteilen niederschreiben – damit ihr sie anschließend ausdrucken könnt.

Vorteile

Einige Eigenschaften des Buches passen natürlich auch zu Papier im Allgemeinen. Dazu zählen vor allem, dass kein Strom notwendig ist und dass Papier relativ widerstandsfähig ist. Es kommen aber auch noch ein paar Vorteile dazu.

Schnell mal was niederschreiben bzw. hinkrakeln

Gerade wenn es weniger um Text und mehr um Grafiken / Skizzen geht, ist es einfach schneller Papier zu nehmen als sich am PC/Smartphone/Tablet abzumühen.

Gut zum Verteilen

Ein Ausdruck kostet im Vergleich zu einem Tablet praktisch nichts. Dadurch kann man auch einfach mal ohne großes Nachdenken einen Block ausleihen, Informationen an Passanten verteilen oder Briefkästen mit unnützer Werbung vollstopfen.

Nachteile

Auch einige Nachteile des Buches hängen mit der Tatsache zusammen, dass es aus Papier gemacht ist. So sind die ersten drei (im alten Artikel) genannten Nachteile auch auf Papier anwendbar – es kann nur an einem Ort sein, es benötigt Platz und ist entsprechend aufwendig zu transportieren.

Datengräber

Auch wenn es schön schnell geht, etwas auf Papier niederzuschreiben – für die weitere Verarbeitung ist das Ergebnis denkbar schlecht geeignet. Dazu muss ich Text abtippen und Bilder mindestens einscannen. Das Problem dabei ist, dass der Aufwand in Summe oft größer ist, als einfach gleich den PC zu nutzen.

Sicherungskopien

Mir ist bis heute nicht klar, warum Leute „wichtige Dokumente“, die sie per Email bekommen, ausdrucken. Ich hingegen scanne alles ein. Von einer Datei kann ich (teil-)automatisiert praktisch beliebig viele Sicherungen erstellen. Es gibt jährlich etwas unter 200 000 Brändein Deutschland – da werden wohl auch ein paar Wohnungsbrände einschließlich Dokumentenverlust dabei sein. (Ja, ich habe habe Offsite-Backups)

Gemeinsames Arbeiten

Mein Handschrift ist – wie viele andere Handschriften auch – ziemlich fürchterlich. Entsprechend nutzlos sind meine Anmerkungen, wenn ich die Dokumente anderer Leute annotiere. Google Docs (Youtube, englisch) oder die „Änderungen verfolgen“-Funktion von MS Office sind dafür wesentlich besser geeignet. Auch weil man Änderungsvorschläge leichter übernehmen kann (vgl. „Datengräber“).

Was bleibt?

Einen Aspekt habe ich nicht bewertet – den ökologischen Fußabdruck. Viele Verfechter von Papier führen dieses Argument gerne ins Feld. Die Aussage, dass Papier umweltschonender ist, weil die Herstellung der ganzen elektronischen Geräte  (Kindle, Smartphone, Tablet, etc.), sehr viele Ressourcen benötigt, greift aber zu kurz. Drucker materialisieren sich schließlich auch nicht aus dem Nichts – und auch sie benötigen Strom (und Tinte). Weil es mir aber praktisch unmöglich ist, abzuschätzen, welcher ökologische Abdruck größer ist, habe ich es einfach bleiben lassen. Wenn man aber einmal darüber nachdenkt, kann man auch gleich Überlegungen dazu anstellen, was insgesamt billiger ist. Dabei sollten auch Kosten der Redigitalisierung von ausgedrucktem Zeug einbezogen werden.

Zum Thema papierloses Büro kann ich nur sagen: Es ginge, aber es wird so schnell nicht kommen. Nicht, weil „digital-only“ die schlechtere Alternative ist, sondern weil sie von Büromenschen so wahrgenommen wird. Drucken ist einfach zu billig – vor allem, wenn man die Kosten für Papier und Tinte gar nicht selbst zahlen muss.

Dazu einfach ein paar Erfahrungen aus meinem Praktikum:

  • Zu Beginn habe ich mir einen Block mit 200 Blatt Papier genommen, von denen jetzt (nach 3,5 Monaten) noch etwa 2/3 übrig sind.
  • Nach etwa acht Wochen musste ich mich zum ersten Mal damit beschäftigen, wie ich etwas ausdrucken kann.
  • Es hat weitere vier Wochen gedauert, bis ich vor dem Problem stand, einen Brief verschicken zu müssen.
  • Fast mein gesamtes Druckaufkommen besteht aus DRM-geschützten PDFs, die ich nicht vernünftig auf den Kindle übertragen kann.
  • Sieht man von eben diesen PDFs ab, habe ich auf unserem Monster-Multifunktionsgerät mehr Seiten gescannt als gedruckt.

Das mag alles an meiner – inzwischen etwas ins Irrationale übersteigerten – Abneigung gegenüber Papier liegen. Trotzdem ist erkennbar, dass das papierlose Büro keine reine Utopie ist. Sofern die passende IT-Infrastruktur vorhanden ist, Rechtssicherheit auf für digitale und digitalisierte Unterschriften geschaffen und ein wenig Erziehungsarbeit geleistet wird, sehe ich da durchaus Potenzial.


3 thoughts on “Martin und die alten Medien – heute: Papier

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