Das Leistungsschutzrecht, Christoph Keese und die zentrale Clearingstelle

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Zum Leistungsschutzrecht (LSR) und den daraus resultierenden Konsequenzen wurde schon an vielen Stellen geschrieben, deswegen will ich hier bloß auf ein paar Beiträge hinweisen: beim lawblog, auf wortfeld.de und von Mario Sixtus. Auf einen Beitrag möchte ich jedoch näher eingehen – nämlich den von Christoph Keese, Cheflobbyist der Axel Springer AG. Keese schreibt in seinem privaten Blog:

Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage sollte von Verlagen und Bloggern verantwortungsvoll genutzt werden. Dazu gehört, dass die Rechte schnell und unkompliziert geklärt werden können, dass harmlose Nutzer weder kriminalisiert noch mit Abmahnwellen überzogen werden und dass es attraktive Preise gibt.

Dass dies einen Paradigmenwechsel bedeutet, hat Stefan Niggemeier sehr schön erläutert:

Man sollte nicht, sagt Keese, aber er bestreitet nicht, dass man es mithilfe des neuen Leistungsschutzrechtes könnte.

Allerdings hat Keese recht, wenn er in seinem Artikel für eine zentrale Clearingstelle wirbt:

Weil wir das Jahr 2012 schreiben, sollte der Rechteverwerter seinen Kunden das Leben so einfach wie möglich machen. Ideal wäre eine One-Click-Rechteklärung über das Internet. [..] Ein Flugticket im Netz zu buchen muss viel komplizierter sein, als sich die Leistungsschutzrechte von Verlagen zu besorgen.

Wenn junge Leute ein neues Flipboard oder Readitlater bauen wollen, müssen sie die Rechte in fünf Minuten bei einem Café Latte im Sankt Oberholz zusammenklicken können. Das ist ein Fortschritt, denn heute müssen die Gründer dafür auf eine lange Deutschlandreise gehen.

Es findet sich jedoch ein Denkfehler in seiner Argumentation. Er unterstellt, dass es diese Stelle heute ohne das LSR nicht geben kann und das ist falsch. Denn vollständige Texte sind schon heute geschützt und müssen lizensiert werden. Warum sonst sollten „Gründer dafür auf eine lange Deutschlandreise gehen“ müssen? Was also hindert die Verleger heute, die im Artikel skizzierten Möglichkeiten der Abstimmung zu nutzen und ein einfaches System zum Rechteerwerb auf die Beine zu stellen? Die Axel Springer AG sollte voran gehen und versuchen diese zentrale Stelle zu etablieren. Wenn sie nur mit ihren eigenen Publikationen anfangen würde, wäre das schon ein guter Anfang.

Dass es diese zentrale Stelle heute noch nicht gibt – dafür aber Abmahnungen und Klagen (wenn auch nicht von Springer) gegen innovative Dienste wie Commentarist und  Perlentaucher – ist ein deutlicher Indikator für die Art und Weise in der das LSR ge- bzw. missbraucht werden wird.


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