Gelesen und für schwach befunden – Die Schiller Strategie

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Amazon hat kurz nach Weihnachten eine Reihe Kindle-Bücher verschenkt, darunter auch „Die Schiller-Strategie“ (Verlagsseite, Amazon) von Eva Wodarz-Eichner und Karsten Eichner. Ich habe das Buch im Lauf der letzten Tage gelesen und dabei wurde mir wieder einmal deutlich vor Augen geführt, dass „kostenlos“ und „kostet kein Geld“ zwei unterschiedliche Dinge sind. Denn obwohl Amazon mir das Buch geschenkt hat, hat es mich viel gekostet – nämlich Zeit.

Anspruch der Autoren und Wirklichkeit des Buches fallen deutlich auseinander. Das Buch wirbt damit, Schillers „ausgeklügelte Karriere-Strategie“ und sein „erstaunlich modern[es]“ Denken vorzustellen und daraus Tipps für unser heutiges Leben abzuleiten. Tatsächlich passiert weder das eine noch das andere. Die Autoren haben sich entschieden, das Buch inhaltlich (also nach Tipps) und nicht chronologisch zu gliedern. Dadurch ist der Text denkbar ungeeignet, um sich einen Überblick über Schillers Leben zu verschaffen. Das Buch greift auch nur einzelne Stationen aus dem Leben des Dichters heraus. Es gibt insgesamt 33 Kapitel (z.B. „Achte auf eine gute Ausbildung, aber auch auf genügend Freiräume“ oder „Meistere die Midlife-Crisis“) in denen jedoch eine deutlich geringere Zahl von Lebensereignissen thematisiert wird, sodass sich schnell das Gefühl von Wiederholung einstellt – etwas das meinem Lesevergnügen sehr abträglich ist. Auch der Begriff „Strategie“ im Titel des Buches ist meiner Meinung nach fehl am Platz, da es sich im Wesentlichen um einzelne Hinweise handelt, aus denen sich kaum eine große Strategie ableiten lässt.

Der Schreibstil des Buches ist leicht verständlich und wartet mit einer angenehmen Idee auf: Die einzelnen Kapitel sind zweigeteilt, zunächst wird eine Situation historisch und mehr oder weniger aus Schillers Sicht dargestellt. Im zweiten Teil wird diese dann in einem sachlicheren Ton analysiert. Problematisch ist allerdings, dass die Empfindungen und Gedanken Schillers im ersten Teil natürlich erfunden sind – teilweise muss man sogar davon ausgehen, dass nur der Grundstock der Situation tatsächlich so stattgefunden hat. Leider kann bei dieser Form der Darstellung nicht genau unterschieden werden, was Realität und was Fiktion ist. Das empfinde ich insofern als problematisch, da doch gerade Schillers Verhalten die Grundlage für die folgenden Tipps darstellt. Da die Autoren sich auch nicht bemüht haben, die Herkunft ihres Wissens deutlich zu machen, wird dieses Problem nur verstärkt.

Die Schlussfolgerungen, die die Autoren im zweiten Teil jedes Kapitels ziehen, sind zudem wenig hilfreich. Fast alle Tipps bewegen sich auf dem Niveau von Allgemeinplätzen, die zwar erklären was zu tun ist, bei der konkreten Umsetzung jedoch wenig helfen. Neben den laufenden Wiederholungen treten dabei auch Widersprüche auf, bei denen nicht gezeigt wird, wie sie aufzulösen sind. Oft findet sich nur der Hinweis, dass ein gesunder Mittelweg gewählt werden muss. Das alles ist nicht wirklich neu und entsprechend kaum nützlich. Die Überschrift der einzelnen Kapitel sagt in den meisten Fällen schon alles – nur an wenigen Stellen wird konkret auf die Möglichkeiten unserer Zeit Bezug genommen. Und obwohl dieser zweite Teil in einem sachlichen Gewand daher kommt, wird nicht klar, warum die Autoren Schillers Verhalten gerade so und nicht anders interpretieren. Die Gewichtung einzelner Verhaltensmuster und Charakterzüge scheint mir eher willkürlich und darauf bedacht, die jeweilige These des Kapitels zu stützen.

Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass der Text künstlich in die Länge gezogen wurde, um einen druckbaren Umfang zu erreichen. Davon hat der Inhalt jedoch nicht immer profitiert – die Qualität der Kapitel schwankt allerdings auch relativ stark. Ich für meinen Teil bin froh, dass mich  das Buch nur Zeit und nicht auch noch den Originalpreis von 17,90€ gekostet hat. Den einen Extra-Stern über der Minimalbewertung gibt es im Wesentlichen für die Idee der Zweiteilung der Kapitel und dafür, dass das Kindle-Buch ordentlich formatiert ist.


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