Martin und die alten Medien – heute: Das Telefon

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Wer mich ein bisschen kennt wird wissen, dass ich kein großer Freund der „alten“ Medien bin. Zu diesen alten Medien gehören für mich zumindest Telefon, Fernsehen und Papier in allen möglichen Formen. Ich will diesen Kommunikationsformen nicht generell die Existenzberechtigung absprechen, aber ich möchte auch nicht genötigt werden, sie ständig benutzen zu müssen, nur weil mein Kommunikationspartner „das schon immer so gemacht hat.“

Heute werde ich darlegen, was mir am klassischen Telefon nicht gefällt, welche Einsatzzwecke ich trotzdem sehe und an welcher Stelle ich bevorzugt Alternativen nutze. Dabei geht es ausdrücklich nicht um gesprochene Kommunikation per se sondern um diese Geräte, die durch Telefonnummern adressiert werden und mit denen oft eine monatliche Rechnung verbunden ist.

Das Telefon – seine Nachteile …

Der fehlende Statuskanal

Ein wichtiges Problem, das ich mit dem klassischen Telefon habe, ist dass ich vor einem Anruf nicht einschätzen kann, ob ich meinen Gesprächspartner störe. In den allermeisten Fällen ist mein Anliegen nicht dringend – es gibt also keinen Grund, meinen Partner in seiner Tätigkeit zu unterbrechen. Während ich bei den meisten Chatprotokollen einstellen kann, ob ich gerade abwesend bin oder nicht gestört werden möchte, geht dies beim Telefon nicht.

Keine automatischen Logs

Chats und Emails sind problemlos archivierbar und leicht zu durchsuchen. Das ist insbesondere dann praktisch, wenn es nicht um Small-Talk sondern inhaltliche Absprachen geht.

Nur ein Endgerät pro Adresse (=Telefonnummer)

Adresse soll hier nicht im Sinne einer Postanschrift verstanden werden – denn natürlich kann ich mehrere Telefone in einem Haus haben -, sondern als die Kennung, unter der etwas zu erreichen ist. Im Falle eines Telefons ist das die Telefonnummer. Die für Privatanwender verfügbaren Lösungen bieten oft keine Möglichkeit, eine eingehende Nachricht automatisch an mehrere Endgeräte weiterzuleiten. Es ist jedoch so, dass ein Anrufer im Allgemeinen mich erreichen möchte und nicht das Telefon in meiner Wohnung oder an meiner Arbeitsstelle. Anrufe auf dem Handy sind jedoch oft teurer und mit einer schlechteren Sprachqualität verbunden und damit auch keine optimale Alternative. Wenn ich einen Anruf verpasse, weiß ich heute zwar oft wer mich angerufen hat, jedoch nicht was sein Anliegen war.

Heutzutage können Emails jedoch problemlos über mehrere Geräte (z.B. Handy, Laptop und Arbeits-PC) synchronisiert werden. Ich bin damit unter einer zentralen Adresse erreichbar und kann stets das für mich passendste Werkzeug wählen, um zu antworten. Das Chat-Protokoll XMPP/Jabber (z.B. Google Talk, Facebook Messenger) bietet vergleichbare Möglichkeiten.

Notwendige Adresswechsel

Wenn ich umziehe und dabei den Vorwahlbereich wechsele, kann ich meine Festnetznummer nicht mitnehmen. Damit ändert sich die Adresse, unter der mein Telefon – und damit ich – zu erreichen ist. Das gleiche gilt für Mobilfunknummern im Falle eines Umzugs ins Ausland. Zumindest auf europäischer Ebene ist hier allerdings Besserung in Sicht.

Kosten

Auch wenn Festnetzflats heute sehr verbreitet sind, bleiben Gespräche vom und zum Handy relativ teuer. Obwohl aus technischer Sicht kaum Gründe dafür zu finden sind, werden für grenzüberschreitende Gespräche zusätzliche Gebühren berechnet.

Andere Inhalte

Per Email und Chat lassen sich zum Gespräch gehörige Links, Bilder, Texte, etc. verschicken. In einem Telefongespräch ist das nicht möglich.

… und Vorteile

Es gibt allerdings auch ein paar Vorteile gegenüber Email, Chat und neueren Formen der Sprachkommunikation.

Sofortige Rückmeldung

Im Gegensatz zur Email erhält der Anrufer sofort eine Rückmeldung – und wenn es nur die Information ist, dass der gewünschte Gesprächspartner gerade nicht zu erreichen ist.

Standardisierung und Verbreitung

Vergleicht man die klassische Telefonleitung hingegen mit Skype, Google Talk oder ähnlichen Produkten stellt man fest, dass die die Verbreitung von Telefonen ungeschlagen ist und wohl auch noch viele Jahrzehnte bleiben wird. Je nach Alter der Nutzer ist es zudem unter Umständen unwahrscheinlich, jemanden per Email oder Chat zu erreichen.

Geschwindigkeit

Viele – insbesondere ältere Menschen – können schneller Sprechen als Schreiben. Ein klarer Punkt für das Telefon.

Emotionen, Ironie, etc.

Geschriebene Texte haben den Nachteil, dass sie Emotionen schlechter vermitteln. Dies kann zu Missverständnissen und Mehrdeutigkeiten führen, die bei gesprochener Kommunikation vermieden werden können.

Alternativen

Zuletzt möchte ich die Werkzeuge vorstellen, die zu meinen bevorzugten Mitteln der Kommunikation zählen.

Email

Fast alles was nicht eilig ist und keine Echtzeitkommunikation erfordert, erledige ich per Email. Google Mail archiviert alle meine Emails und macht sie einfach durchsuchbar. Auch über das Smartphone habe ich – sofern ich mit dem Internet verbunden bin – Zugriff auf meine gesammelte Kommunikation.

Chat / Instant Messages

Wenn ich an einer sofortigen Rückmeldung interessiert bin oder ein „Gespräch“ suche, wähle ich zunächst den Chat via Google Talk oder Facebook Messenger – beide Dienste können über die jeweilige Webseite, eine Anwendung für Smartphones oder Desktop-Anwendungen genutzt werden. Nachrichten können an mehrere Geräte gleichzeitig zugestellt werden und ich kann zwischen verschiedenen Endgeräten wechseln, ohne dass mein Gegenüber dies bemerkt. Wenn ich die Wahl habe, nutze ich Google Talk, da die Chatlogs automatisch im Google Mail Konto landen und damit an der gleichen Stelle wie meine Emails liegen. Dadurch wird die Suche nach vergangener Kommunikation erheblich vereinfacht.

Skype / Google Voice

Für längere Gespräche, deren Inhalt nicht unbedingt wiederauffindbar sein muss nutze ich gerne Werkzeuge zur Sprach- und Videokommunikation. Normalerweise wird dafür jedoch vorher ein Termin mittels Email oder Chat vereinbart. Im Vergleich zum Telefon bieten die beiden Dienste auch noch die Übertragung von Videobildern und verpersönlichen das Gespräch damit weiter. Da ich die Skype und Google Voice hauptsächlich für Gespräche mit Freunden nutze ist dies von Vorteil.

Telefon

Ich gebe es ja zu, hin und wieder nutze ich tatsächlich auch das Telefon, denn es ist aufgrund seiner Verbreitung eine sehr gute Rückfallmethode, wenn die ersten drei Werkzeuge – aus welchen Gründen auch immer – nicht zur Verfügung stehen. Auch für eilige Botschaften ist es das Mittel der Wahl, weil es seltener ignoriert wird als Emails und Chats.

Die drei zuerst genannten Werkzeuge haben den für mich sehr wichtigen Vorteil, dass ich unabhängig von meinem physischen Aufenthaltsort stets unter der selben Adresse erreichbar bin. Damit muss ich mir bei einem Umzug keine Sorgen machen, ob ich auch allen die neue Adresse mitgeteilt habe und mein Gegenüber muss sich keine Gedanken darüber machen, wo ich mich gerade befinde. Eingeschränkt gilt das allerdings auch für das Telefon – nämlich, wenn es sich um ein Handy handelt.

Abschluss

Die aufgelisteten Argumente sind sicher nicht vollständig und können zudem noch unterschiedlich gewichtet werden. Daher kann ich es verstehen, wenn andere Leute zu dem Ergebnis kommen, dass das Telefon weiterhin das Kommunikationsmittel ihrer Wahl ist. Das ist völlig in Ordnung, solange die Begründung nur nicht heißt: „Das habe ich schon immer so gemacht.“ :)


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